10. November 2011

DAS MUSS ICH GOOGELN!

von Wiebke Müller

Von lebendigen Großstädte, über romantische Kleinstädte bis hin zu verschlafenen Bergdörfern hat unser Ländle alles zu bieten. Ist aber ein Ort, an dem man im Winter den Pulverschnee auf den Pisten genießt und im Sommer das Alpenpanorama, auch ein Ort an dem man wohnen möchte? Und vor allem, was bedeutet es eigentlich für junge Menschen?

Nehmen wir mal Todtnauberg. Bitte wo? Das muss ich googeln!

Mal vorausgesetzt, dass man in der Nähe eines internetfähigen PCs sitzt, sollte man in weniger als einer Sekunde das Ergebnis haben, dass es sich um ein 700 Seelen Dorf in einem Schwarzwaldhochtal ohne Durchgangsstraße handelt, das hauptsächlich vom Tourismus lebt. Würdet ihr gerade aber mit nichts als einem Smartphone ausgestattet am Ortseingang eben dieses Dorfes auf der Bank mit Alpenpanorma sitzen, und versuchen den unendlichen Weiten des worldwide Webs diese Informationen zu entlocken, würde euer treues Smartphone euch damit abfertigen, dass eine Internetverbindung derzeit nicht möglich ist.

Wie ist es also als junger politisch interessierter Mensch in Todtnauberg auf über 1000 Höhenmetern mitten im Südschwarzwald zu wohnen?


Die Freude am Blick für die traumhafte Landschaft, verschwindet nach etwa einer Woche. Als zugezogener ärgert man sich im Winter gerne darüber, nicht genügend Kleidung gegen Schneeregen und -matsch zu haben und verflucht den Klimawandel, der einem am neuen Wohnort die Möglichkeit zum überschwänglichen Fotografieren und Ski fahren nimmt. Als einheimischer nimmt man es wie es kommt und freut sich schon mal darüber, dass der Winterdienst oben in den Bergen Ahnung von seinem Geschäft hat und auch gegen Schneemassen ankommt, wo im ungeliebten Freiburg die Straßenmeisterei längst die Schneeschaufel geworfen hätte.

Da man von Snowboarden und Wandern auch in Todtnauberg selten leben kann, sollte man dann schon mal zur Schule, in die Uni oder zum Ausbildungsplatz gehen. Nur wie hinkommen? Der Bus fährt sogar einigermaßen regelmäßig über die kurvige Straße ins Tal nach Todtnau, wo es dann sogar eine Hauptschule gibt. Sollte man aber eine Realschule oder ein Gymnasium suchen, muss man hier dann in den nächsten Bus umsteigen und nach Schönau fahren. Hat man dann die Schule hinter sich gebracht, und sollte man sich dazu durchgerungen haben in der Region zu bleiben, stehen einem in Todtnauberg Ausbildungsplätze in der Hotellerie zur Verfügung. In den umliegenden Orten auch noch ein paar im Handwerk. Das war es dann aber auch schon. Sollte man sich für ein Studium entscheiden, gibt es da natürlich die Uni in Freiburg. Wenn man die eineinhalbstündige Fahrt auf sich nimmt, schafft man es sogar trotz schlechter ÖPNV-Anbindung, zu Vorlesungen um 9 Uhr. Nur nach einem langen Uni Tag in Freiburg bleiben wollen darf man nicht, da der letzte Bus schon um halb acht geht.

Sollte man dann als junger Mensch an der Situation etwas ändern wollen und dabei noch liberal denken, stößt man im Rathaus auf taube Ohren. Möchte man sich bei den JuLis engagieren stößt man wieder einmal an die Grenzen des ÖPNVs, da man weder von den Treffen in Lörrach, noch von denen in Freiburg mit dem Bus zurückkommt.

Die hier veröffentlichten Beiträge und Kommentare geben die Meinungen und Ansichten der Autoren wider und spiegeln nicht unbedingt die Programmatik der Julis wider. Red.

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