26. November 2011
von Simon Hartmann
Es ist noch nicht lange her, da stand Christian Lindner im Historischen Kaufhaus zu Freiburg. Sein Thema war die Erneuerung der Sozialen Marktwirtschaft. Er trug kluge ordoliberale Positionen vor, doch er vergaß auch nicht die alten bildungspolitischen Thesen der FDP. Lindner zitierte das Hausmodell von Altmeister Ralf Dahrendorf, wonach Liberale alle Menschen auf einen gemeinsamen Fußboden stellen wollen und sie durchstarten lassen, indem sie eben keine Deckenbegrenzung einziehen. Besser als in diesem Bild kann der Gleichklang von Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit nicht deutlich gemacht werden. Dieses Haus zu bauen, ist die Aufgabe von Liberalen in allen Bundesländern. Studiengebühren zählen dabei zu den ungeeigneten Baumaterialen.
Kollektiv vor Individuum?
Man hört oft genug von diesen Dingen: Ein junger Mensch kommt aus einem finanzschwachen Elternhaus und muss erst einmal lange überlegen, ob er sich ein Studium wird leisten können. Wenn ihm daran Zweifel kommen, hat die Gesellschaft ein Problem. Wenn er das Studium aus genau diesem Grund ausschlägt, hat die Gesellschaft versagt. Hier entpuppen sich die Studiengebühren als genau die Deckenbegrenzung, die im liberalen Haus der Bildung nichts zu suchen hat.
Dann hört man noch jene Zuchtmeistern, die glauben durch die Gebühren Studierende zu schnellerem Lernen antreiben zu können. Dieser Gedanke stößt einem Liberalen ohnehin schon auf, weil es nicht an der Gesellschaft ist, die Lebensplanung des Einzelnen zu bestimmen. Doch selbst wenn man die Forderung für statthaft hält, ist sie in sich unschlüssig und verkehrt sich zum Argument gegen Studiengebühren. Durch die Bolognareform ist das Studium harscher geworden. Anwesenheitspflichten, ECTS-Punkte und verpflichtende Prüfungsleistungen sind die Koordinaten, um die sich das Studium im 21. Jahrhundert dreht. Doch anstatt sich voll auf das Studium konzentrieren zu können, werden allzu viele Studis von der Gesellschaft gezwungen, zu jobben. Denn sie müssen ja Gebühren zahlen.
Aufgabe für die Bürgerrechtspartei
Die FDP verfolgt sei Jahr und Tag in allen Wahlprogrammen ein bestimmtes bildungspolitisches Konzept, das in der Forderung „Bildung ist Bürgerrecht!“ kulminiert. Eine kluge Formulierung. Denn Bildung ist keine milde Gabe, die der Staat dem Einzelnen gewährt. Bildung ist auch keine Ware, die der Einzelne sich erkaufen muss. Bildung ist individuelles Recht.
Wenn diese Forderung mehr sein soll als Propaganda und Populismus muss die FDP die Zeit in der Opposition nutzen, um sich zu erneuern. Der Bildung muss – auch fiskalisch – der erste Stellenwert zukommen, der Gleichklang von Chancengleichheit und Leistungsgerechtigkeit muss wieder aufgegriffen werden. Denn nur dann werden es Liberale sein, die das liberale Haus der Bildung wiederherstellen – auf einer festen Grundlage und selbstredend ohne Dach.
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Interessant, wie sich die
Interessant, wie sich die vorherrschende Meinung bei den JuLis in Bezug auf Studiengebühren geändert hat (nicht direkt auf den Autor bezogen, mehr so allgemeines Gefühl). Vor ein paar Jahren waren die meisten noch dafür, insbesondere für das nachgelagerte Modell.
Jetzt hört man überwiegend kritische Stimmen.
Ich persönlich habe von den Gebühren wenig mitbekommen - außer ein paar Büchern mit entsprechendem Stempel und der ein oder anderen Veranstaltung.
Trotzdem sollte man sich auf den ganzen Bildungsweg konzentrieren und genau analysieren, welche Hindernisse es für Leute aus Nicht-Akademiker-Elternhäusern konkret gibt und wie diese behoben werden können.
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